Evaluation an der Schule


von Tobias Walenciak

In diesem Frühjahr, d.h. vom 9. - 13. März 1998, wurde an der Katholischen Schule Salvator zum erstenmal eine sogenannte "Unterrichtsevaluation" durchgeführt, sozusagen Schule einmal andersherum, Schüler bewerten Lehrer.

Was eine Evaluation an der Schule überhaupt bedeutet, wie es an unserer Schule zu diesem Projekt kam, was es für Probleme gab und wie die eigentliche Durchführung und Auswertung der Befragung ablief, soll hier auch im Hinblick auf mögliche wünschenswerte Nachahmer als Hilfe geschildert werden.


Was ist eine Evaluation?
Die Idee und auch das Wort Evaluation stammen wahrscheinlich von Studentengruppen, die sich bestimmt einmal fragten, wie sie ihren Professoren und Dozenten ohne Angst vor negativen Konsequenzen ehrlich und konstruktiv ihre Meinung zum Unterricht mitteilen konnten. So kam man auf den Gedanken einer anonymen Befragung der Studenten zu ihren Lehrern, die nun offen sagen (schreiben) konnten, was ihnen auf dem Herzen lag.

Warum sollte so etwas nicht auch an einer normalen Schule möglich sein?


Planung
Zunächst einmal überlegten wir uns, was das eigentliche Ziel dieser Befragung war, wer überhaupt worüber befragt werden sollte und in welcher Form wir die Ergebnisse präsentieren wollten.

Wir kamen zu den folgenden Überlegungen:

Uns war klar, daß ein entscheidender Punkt der Evaluation vor allem die Diskretion im Umgang mit den Daten der Lehrer war. So entschieden wir uns gegen die Tradition der Universitäten, alle Ergebnisse in einem Heft zu veröffentlichen, sondern wollten jedem einzelnem Lehrer ausschließlich sein eigenes Ergebnis aushändigen, in Form eines Zeugnisses.

Die Befragung soll allein der Verbesserung der Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler dienen und nicht etwa der Bloßstellung Einzelner vor der Schülerschaft, dem Kollegium oder der Schulleitung!


Die nächsten Schritte
Anders als an den Universitäten waren natürlich auch die Kriterien, nach denen die Lehrer beurteilt werden sollten. Nach langen Überlegungen, zu denen u.a. auch Lehrervertreter hinzugezogen wurden, entschieden wir uns für die folgenden fünf Bereiche:

1. Einschätzung des Lehrers
· Erklärungsvermögen (Verständlichkeit der Erklärungen) · Motivationsfähigkeit
· Gesprächsbereitschaft · Durchsetzungsfähigkeit
· Vorbereitung

2. Einschätzung des Unterrichts
· Geschwindigkeit · Schwierigkeitsgrad
· Aktualität · Flexibilität

3. Unterrichtsmethodik
· Referate · Filme
· Diskussionen · schriftliche Hausaufgaben
· Schriftliches im Unterricht · Exkursionen
· Textarbeit · Gestaltung der Stunden durch SchülerInnen

4. Selbsteinschätzung des Schülers
· Interesse · Vorbereitung
· Aufmerksamkeit

5. Arbeitsatmosphäre
· stressfrei <> stressig · diszipliniert <> chaotisch
· interessant <> langweilig

Weiterhin informierte uns der Datenschutzbeauftragte der Schule noch darüber, daß wir nur Daten über Kurse von Lehrern erheben könnten, die sich freiwillig zur Evaluation bereit erklärt hatten, so daß also eine Schul-Evaluation nur auf freiwilliger Basis durchzuführen war.

Nun erarbeiteten wir einige Konzepte zur Durchführung und Auswertung des Ganzen und stellten diese der Schulleitung und natürlich auch der Gesamtkonferenz vor.

Die Überzeugung der Lehrerkonferenz gestaltete sich dann auch erwartet schwierig, und vor allem über die Notwendigkeit einer solch anonymen Schülerbefragung war man sich geteilter Meinung. Dennoch stimmte am Ende der Diskussion die große Mehrheit für unser Konzept und somit stand der Durchführung der Evaluation nichts mehr im Wege.


Durchführung
In der Woche vom 9. - 13. März wurden die in Umschlägen verpackten, abgezählten Fragebögen durch die Lehrer in den einzelnen Kursen verteilt und anschließend im Sekretariat uneingesehen wieder abgegeben.

Auch dies war im Vorfeld ein strittiger Punkt gewesen, wie man das Einsammeln und die Anschließende Abgabe der ausgefüllten Bögen am besten organisierte. Wir entschieden uns auch hier (wie generell bei der gesamten Durchführung), auf Vertrauensbasis zu handeln, d.h., wir vertrauten den Lehrern, daß sie sich die Fragebögen nicht ansehen und so einzelne Meinungen und Bewertungen lesen würden. Ebenso drückten sie ja ihr Vertrauen in uns dadurch aus, daß sie überhaupt an dieser Befragung teilnahmen.


Auswertung
Ein von uns ausgewähltes ca. 20-köpfiges Schülerteam kümmerte sich anschließend in einer 4-stündigen Aktion um die Auswertung des Verbalteils der Fragebögen. Da wir über keinerlei Erfahrungen mit einer solchen Mammut-Auswertung verfügten, war es schwer, den Schülern Tips oder Hinweise zur richtigen Auswertung zu geben. Dennoch wurden alle darauf hingewiesen, daß dieses Projekt eine konstruktive Kritik darstellte, das die Lehrer nicht gleich beim ersten Mal vollkommen verstören sollte. Trotzdem stand natürlich die sinngemäße Wiedergabe aller Meinungen im Vordergrund.

Die Auswertung des statistischen Teils, das Abtippen der Gesamtkommentare und auch den Ausdruck der fertigen Ergebnisse übernahmen aufgrund der Datenmenge (gut 800 Zettel voller Kreuze) fünf weitere Schüler (und ihre Computer). Weiterhin wurde die Arbeit durch die Trennung der LKs und GKs etwas überschaubarer und auch der Zeitaufwand hielt sich im Endeffekt in Grenzen, da im Vorfeld eine Excel-Vorlage erstellt wurde, die die Bearbeitung der Daten wesentlich vereinfachte.

Am Ende dieses ganzen Prozesses standen dann die optisch aufbereiteten und mit Mittelwerten, Standardabweichungen und Differenzen versehenen fertigen Ergebnisse, die so dem Lehrer einen konkreten Einblick in die Stimmungen der Schüler gaben.


Fazit
Unserer Meinung und auch den Rückmeldungen von Lehrern und Schülern zufolge war diese erste Schul-Evaluation ein wirklicher Erfolg. Erfreulich war vor allem das wirklich objektive Verhalten der Schüler, als es um die Bewertung der einzelnen Lehrerschwächen und -stärken ging. Bei insgesamt ca. 800 Fragebögen gab es vielleicht drei nicht unbedingt konstruktive Bewertungen. Weiterhin zu erwähnen sind die zahlreichen ehrenamtlichen Auswerter und Mit-Organisierer, die ihre kostbare Freizeit für dieses Projekt opferten und ohne die das Ganze gar nicht denk- und durchführbar gewesen wäre. Danke! Natürlich hängt der nachhaltige Erfolg eines solchen Projektes im Endeffekt davon ab, inwieweit Ergebnisse auch von den Lehrern genutzt werden, ihren eigenen kritisch zu hinterfragen und ihn gegebenenfalls auch unter Berücksichtigung dieser zu entwickeln. Sicher sind hier und dort einige nicht ganz 100%ig richtige Ergebnisse nicht zu vermeiden, hängt doch die Bewertung durch die Schüler auch von so lapidaren Faktoren wie Raumgröße, Schülerzahl, Zeitpunkt des Unterrichtes und nicht zuletzt auch von der Sympathie des Lehrers in dem Kurs ab. Doch gerade die Diskussion mit den Schülern über vielleicht unerwartet positive oder negative Bewertungen sind ja das Ziel einer solchen Befragung und können das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler sicher positiv beeinflussen. Wünschenswert, wie schon erwähnt, wäre für uns natürlich die Nachahmung durch andere Schulen, d.h., wenn diese Ausführungen einige Anstöße zur Verbesserung der Kommunikation und damit des Verhältnisses zwischen Schülern und Lehrern geben könnten.
tobias walenciak im August ‘98
Bei Fragen Kritik etc Email an waletobi@salvator.be.schule.de

Formulare und Auswertungsbögen können unter der Adresse http://salvator.net/salmat geladen werden.