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| Jörg Zender | |
| Midgar: Reaktor 1 Der Zug kam wie üblich zu spät. „Eigentlich nichts ungewöhnliches“, dachte sich der Stationsvorsteher gelangweilt, „Hier in Sektor 1 ist sowieso nie was los, schließlich ist Midgar die Hauptstadt des Shinra-Imperiums und verfügt über ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem und unzählige Sicherheitskräfte.“ Eine rothaarige junge Frau mit einem Cowboyhut sprang aus dem Zug, er ging auf sie zu: „Könnte ich bitte den Grund Ihrer Anwesenheit erfahren und Ihre Aufenthaltsberechtigung sehen?“ Doch statt einer Antwort bekam er einen kräftigen Tritt in die Magengegend, der ihn, gefolgt von einem Faustschlag, an die Wand des Bahnhofsgebäudes schleuderte, wo er schließlich mit einem schmerzerfüllten Keuchen in Ohnmacht fiel. „Der hier ist erledigt.“ „Meiner auch“, sagte ein schwarzhaariger Mann, der den zweiten Bahnbeamten mit einem Schulterwurf ins Reich der Träume befördert hatte. Nun stieg auch ein etwas dicklicher Kerl aus. Ihm folgte ein muskulöser Schwarzer, der statt der rechten Hand ein Maschinengewehr hatte. Als letztes kam ein Blonder aus dem Zug, der ein Schwert trug, das nur unwesentlich kleiner war als er selbst. Während die ersten vier aus dem Bahnhof auf die Straße stürmten, stand der Blonde noch unschlüssig da, im Hinausrennen rief der Schwarze, er war offensichtlich der Leiter der Aktion, „Komm endlich, folg mir!“ Der Blonde ging zu einem der Beamten, ungeachtet der Befehle des Anführers, und durchsuchte ihn. Eine magere Ausbeute, der Beamte hatte keinen einzigen Gil bei sich, von irgendwelchen brauchbaren Dingen ganz zu schweigen. Er wollte sich schon den nächsten ansehen, da kamen zwei Shinra-Soldaten in die Bahnhofshalle. „Was zum...?“, stieß der erste hervor, als er die Szene erblickte, der zweite zog im selben Augenblick seine Waffe, ein einfaches Gewehr. Der Blonde sprang fluchend hinter einen Pfeiler, der Soldat schoss und die Querschläger, die vom Pfeiler abprallten heulten durchs ganze Gebäude. „Ergeben Sie sich, Sie haben keine Chance hier lebend raus zu kommen“, rief der Soldat. Der Blonde dachte nicht daran sich zu ergeben, stattdessen rannte er im Zickzack auf eine Sitzbank zu. Seine Rechnung ging auf, die Soldaten schossen. Er brachte sich mit einem Hechtsprung hinter die Sitzbank in Sicherheit. Auf einmal hörte er ein Klicken. Er grinste innerlich, die Munition der Gewehre war verschossen. Das war der Moment auf den er gewartet hatte. Er sprang über seine Deckung und stürmte auf die beiden Soldaten zu, die jetzt hilflos waren. Er schlug zweimal mit der flachen Seite seines Schwertes zu und schaltete die beiden Soldaten aus. Der Blonde sah ein, dass es besser wäre, wenn er den Bahnhof verlassen würde. Als er draußen auf die dunkle Straße trat, versuchte er sich zu erinnern: „Vom Bahnhof links und dann immer geradeaus“, ja, so war die Wegbeschreibung. In der Tat, zwei Kreuzungen weiter waren alle bis auf der Schwarze vor einem Tor versammelt. Sie unterhielten sich gerade als der Blonde kam. Der Schwarzhaarige redete mit der Frau, die sich am Tor zu schaffen machte. „... Wow! Stell dir vor, er war früher bei SOLDAT! So einen findest du nicht jeden Tag in einer Gruppe wie AVALACHE!“ Der Blonde runzelte die Stirn, an seine Zeit bei SOLDAT erinnerte er sich nicht gerne, auch wenn andere ihn beneideten. SOLDAT war die Elitekampfgruppe der Shinra, und dort wurden nur die Besten aufgenommen. „SOLDAT? Sind das nicht unsere Feinde? Was macht einer wie er bei uns?“, sagte die Frau. „Moment Jessie. Er war bei SOLDAT. Er ist von dort weggegangen, und jetzt ist er bei uns“, erfolgte prompt die Antwort des Schwarzhaarigen. Jetzt erst bemerkte er den Blonden. „Ich hab' deinen Namen nicht mitgekriegt...“, wandte er sich an ihn. „...Cloud. Cloud Strife.“ „Cloud, eh? Ich bin...“ Doch Cloud unterbrach ihn: „Es ist mir völlig egal, wie ihr heißt! Wenn dieser Job vorbei ist kassiere ich ab und verschwinde von hier.“ Auf einmal mischte sich der Dicke ein, der das Gespräch bisher nur schweigend verfolgt hatte: „Es wäre trotzdem nicht schlecht, wenn du unsere Namen kennst. Ich bin Wedge, das“, er zeigte auf den Schwarzhaarigen, „ist Biggs, am Tor das ist Jessie und unser Anführer heißt Barret...“ „...Barret Wallace“, ergänzte Barret der an die Gruppe herantrat, dabei funkelte er Cloud an. „Verdammt, was macht ihr alle hier? Wenn ihr noch länger so herumsteht könnt ihr den Rest eures Lebens im Gefängnis weiterreden. Ich dachte ich hätte euch gesagt, dass ihr nie in einer Gruppe sein sollt, solange Patrouillen hier in der Gegend sind.“ Jessie unterbrach ihn: „Das Tor ist offen, freier Eintritt für alle.“ „Nun gut, unser Ziel ist der nördliche Mako-Reaktor. Wir treffen uns auf der Brücke davor.“ Wedge, Jessie, Biggs und Barret hasteten durchs Tor. Barret drehte sich zu Cloud um. Er schaute ihn einen Moment lang misstrauisch an, und sagte schließlich: „Weißt du was, Ex-SOLDAT?“, in das letzte Wort legte er soviel Verachtung wie er nur konnte, „Ich trau dir nicht!“, damit ging Barret durchs Tor. Cloud folgte ihm. Als er das Tor durchschritt, sah Cloud zum düster aufragenden Mako-Reaktor hoch, ein leises Gefühl der Angst beschlich ihn und ließ ihn erschauern, unwillkürlich beschleunigte er seine Schritte. |
| Cloud lief den anderen hinterher. Er musste
sich eigentlich nicht beeilen, es war abgesprochen gewesen, dass sie die
Sicherheitszone einzeln passieren. Grund dafür war, dass die Überwachungskamera
einen toten Winkel hatte, der aber so klein war, dass nur einer nach dem
anderen durch konnte. Und dennoch rannte er schnell zu den anderen. Er
hatte Angst vor dem Gedanken in dieser Dunkelheit allein zu sein. „Verdammt,
ich bin doch kein kleines Kind mehr!“, dachte sich Cloud ärgerlich.
Aber die Angst verschwand nicht, sie blieb da. Sie wurde zwar schwächer,
legte sich aber nicht. Er erreichte die anderen. Gerade war Biggs dabei,
sich als letzter vor ihm durchzuschleichen, als Biggs drüben am Zugang
zum Reaktorgebäude ankam winkte er ihm zu und verschwand ins Innere.
Cloud seufzte, warum hatte Wedge bloß herausgefunden, dass der Müllcontainer,
dessen Anfang und Ende von der Kamera nicht erfasst war, innen keine Trennwände
hat. So aber machte sich Cloud auf den Weg durch den Müllcontainer.
Als er drüben wieder raus kam, roch Cloud, als hätte er sich
ein Jahr lang nicht gewaschen und stattdessen in faulem Obst gebadet.
Er überlegte, ob er nicht doch mal ein Wort mit Barret über
diese (unfehlbar) ,genialen‘ Pläne reden sollte, aber das hatte genau
soviel Sinn wie einer Kuh das Tanzen beizubringen. Er ergab sich seinem
Schicksal und ging durch die schwere, gußeisene Tür auf die
dahinterliegende Brücke. Auf der Brücke, welche die Form eines
umgedrehten T's hatte, stand am Kreuzpunkt Barret und erteilte Befehle:
„Wedge, du sicherst den Fluchtweg, sollte etwas passieren, dann bring
dich in Sicherheit und führe AVALANCHE weiter. Der Rest kommt mit
mir.“ Wedge lief den Querteil des T's hinunter und versuchte eine Tür
zu öffnen. Barret und der Rest liefen das lange Ende entlang um in
den Hauptteil des Reaktors zu gelangen. Dort angekommen gingen Jessie
und Biggs daran das Öffnungssystem der Türen zu knacken. Barret
ging zur Treppe, die zur ersten Tür führte, blieb dann aber
stehen und drehte sich zu Cloud um und sah ihn auf die gleiche Weise an
wie draußen vorm Tor. „Bist du zum ersten mal in einem Reaktor?“
Es dauerte einen Augenblick bis Cloud begriff, dass Barret ihn gemeint
hatte. Cloud schüttelte den Kopf: „Nein, ich habe schließlich
für Shinra gearbeitet, da kommt man nicht drum herum sich einen Reaktor
anzusehen.“ „Weißt du Cloud, der Planet ist voller Mako-Energie.
Die Leute hier verwenden sie jeden Tag. Sie ist der Lebenssaft des Planeten.
Aber Shinra saugt die Mako-Energie mit diesen seltsamen Maschinen ab.“
Cloud zuckte nur mit den Schultern: „Ich will keine Lektion. Wir sollten
uns lieber beeilen.“ „Cloud, du kommst ab hier mit mir mit!“ Jessie räusperte
sich übertrieben: „Wenn ich eure Unterhaltung stören dürfte,
aber die Tür ist längst offen.“ Barret beendete das Gespräch,
indem er sich umdrehte und die Treppe hoch rannte. Cloud und Jessie taten
es ihm gleich. Biggs wartete schon auf der anderen Seite, Barret ging
zu ihm und sagte: „Biggs du bleibst hier und passt wegen der Türen
auf.“ „Okay, geht klar“, antwortete Biggs. Barret stürmte, gefolgt
von Cloud und Jessie, durch die gegenüberliegende Tür, die ebenfalls
offen war. Dahinter erstreckte sich ein ungefähr quadratischer Raum,
indem sich mehrere Schränke in einer Reihe befanden und an dessen
einer Seite sich ein Fahrstuhl befand. „Ein Umkleideraum, die Arbeit da
unten ist sehr gefährlich und ohne Schutzkleidung reiner Selbstmord“,
meinte Barret. „Lass mich raten, wir ziehen keine Schutzkleidung an, oder?“,
versetzte Cloud bissig. Barret grinste: „Natürlich nicht, dass würde
zu lange dauern.“ Barret ging zum Fahrstuhl, als er merkte das die anderen
ihm nicht folgten rief er ärgerlich: „Hey, das hier ist keine Besichtigungstour!“
Dann stieg er in den Fahrstuhl ein. Cloud und Jessie beeilten sich nachzukommen.
Als sie eingestiegen waren, drückte Barret den Knopf fürs unterste
Stockwerk, der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Barret griff den Faden
wieder auf: „Allmählich saugen die Reaktoren das ganze Leben aus.
Und dann ist Schluss.“ Cloud seufzte und schüttelte den Kopf: „Das
ist nicht mein Problem.“ Barret schrie ihn wütend an: „Der Planet
stirbt, Cloud, er stirbt langsam aber sicher. Verdammt, wann begreifst
du das endlich!“ Cloud ließ sich nicht beeindrucken, sondern entgegnete
gelassen: „Ich weiß das. Aber mir geht es nur darum, diesen Job
zuendezubringen, und zwar bevor die Shinra hier auftauchen.“ Der Lift
hielt und Barret verließ die Kabine, er war sich sicher, wenn er
noch eine Minute länger dieses Gesicht sehen müsste könnte
er für nichts Garantieren. Barret stand auf einer großen Betonplatte,
die sich in der Ecke eines riesigen Raumes befand, zu seiner Rechten war
eine Treppe, die nach unten führte. An den Wänden führten
unzählige Rohre und Kabel entlang. Barret ging zur Treppe, Cloud
und Jessie, die ebenfalls ausstiegen, folgten ihm. Die Treppenstufen waren
einfache Eisengitter, die bei jedem Schritt bedrohlich ächzten, was
auf den Umstand zurückzuführen war, dass die Treppe überall
zu rosten begonnen hatte. „Kein Wunder das Shinra den Reaktor nicht gut
gesichert hat, wer so blöd ist und hier einbricht, so wie wir, stürzt
sich hier zu Tode“, dachte sich Cloud. Als sie unten ankamen, sah sich
Barret kurz um, und zeigte auf eine Tür: „Da geht's lang.“ Sie gingen
durch die Tür. Es folgte ein kurzer Gang, der an einer weiteren Tür
endete. Die Tür befand sich im selben Zustand wie der restliche untere
Teil des Reaktors, in einem miserablen. Als Cloud die Tür öffnen
wollte, fiel sie fast aus ihren durchgerosteten Angeln. Der dahinter liegende
Sims, der diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdiente, hatte Lücken
an denen man in beeindruckende Tiefe schauen konnte. Der ganze Raum, den
sie jetzt betraten, war noch gewaltiger als der vorherige, außerdem
hatte er die Form eines Achtecks. Auch hier waren überall Kabel und
Rohre, zudem noch ein wahres Labyrinth von Leitern, Gittersimsen und Stahlträgern,
das nach unten führte. „Und was jetzt?“, fragte Cloud. „Wie wär's
mit: wir springen ein Bisschen und wir klettern ein wenig... alles klar
Ex-SOLDAT? Das Denken haben sie dir wohl nicht beigebracht, wie?“, bemerkte
Barret giftig. Jessie schüttelte den Kopf: „Ich geh dann hier lang,
kommt doch einfach nach wenn ihr fertig seid.“ Damit setzte sie über
eine Lücke hinweg und kletterte eine Leiter runter, die an einem
großen Rohr befestigt war und auf einem Stahlträger endete.
Cloud und Barret kamen ihr nach. Als die Beiden bei ihr waren, sagte sie:
„Ich warte hier auf euch. Viel Glück.“ Cloud und Barret gelangten
über eine weitere Leiter auf ein mannsdickes Rohr, das sie zu einer
Leiter an der Wand führte. Diese letzte Leiter brachte sie nach ganz
unten, wo eine Brücke über ein unterirdisches, tosendes Wasser
gebaut war. In dem Wasser waren mehrere Rohre. „Kühlrohre, sie bringen
kaltes Wasser zum Reaktor, damit er sich nicht zu sehr erhitzt und explodiert“,
erklärte Cloud unaufgefordert, als sie über die Brücke
auf den eigentlichen Mako-Reaktor zu gingen. Dort angekommen, sie standen
auf einem runden Platz davor, kamen Barret Zweifel, ob es reichen würde
die Bombe außen anzubringen, die Stahltür sah sehr massiv aus,
aber eine andere Möglichkeit hatten sie nicht, denn die Bombe innen
anzubringen konnten sie ohne Schutzanzüge nicht. Barret wandte sich
an Cloud: „Wenn wir das in die Luft jagen, bleibt nur noch ein Haufen
Schrott übrig. Cloud, stell die Bombe ein.“ „Das solltest du doch
eigentlich machen, oder?“ „Tu doch einfach mal was ich dir sage, Idiot!
Ich passe auf, dass du alles richtig machst.“ Cloud hatte keine Lust sich
jetzt und hier zu streiten, deshalb sagte er: „Gut, wie du willst.“ Cloud
trat an die Bombe um sie einzustellen. Auf einmal verschwamm alles vor
seinen Augen, und er hörte eine tonlose, irgendwie vertraute Stimme
die direkt in seinem Kopf zu sprechen schien: „PAß AUF! DAS IST
NICHT NUR EIN REAKTOR!! DAS IST...“ In diesem Moment verschwand die Stimme,
und er fühlte, wie jemand ihn an der Schulter rüttelte. Als
sich sein Blick klärte, erkannte er Barret, der etwas sagte: „Was
ist los mit dir Cloud?“ „Häh?“ „Du sollst die Bombe einstellen. Was
ist denn passiert?“ „Nichts, tut mir leid.“ Cloud brachte die Bombe an
und machte sie scharf. „So, das wär's. Und jetzt lass uns schleunigst
von hier verschwinden.“ Doch Barret antwortete nicht. Als Cloud zu ihm
hinsah, bemerkte er, dass Barret erschrocken war. „Barret was ist?“ „Hörst
du es denn nicht?“ Cloud lauschte einen Moment, und dann hörte er
es auch. Ein Geräusch das an eine schwere Maschine erinnerte, es
war ein metallisches Schaben, Kratzen und Klappern. Und es kam direkt
auf sie zu. Als es ins kalte Licht des Raumes trat, flüsterte Barret
nur: „Oh mein Gott.“ Cloud brachte keinen einzigen Ton heraus. Es war gewaltig. Ein Koloss, der Tonnen wiegen musste. „W...was ist das?“, Barrets Worte brachen das Schweigen. „Ich würde sagen ein Wachroboter.“ „Sag bloß, wie bist du darauf nur gekommen?“, fragte Barret bissig, bevor er wieder schlagartig ernst wurde, „Verdammt, Cloud, du hast doch bei Shinra gearbeitet, was ist das?" Cloud sah sich den Roboter etwas näher an. Er hatte die Form und das Aussehen eines riesigen Skorpions, nur anstatt der Scheren waren zwei Maschinengewehre angebracht, und den sonst höchst giftigen Stachel hatte man gegen eine Laserkanone ausgetauscht. Selbst wenn man von der Tatsache absah, dass das Ding gut und gerne dreimal so groß war wie sie, standen ihre Chancen immer noch sehr schlecht. Barret wartete die Antwort nicht ab, sondern hob seinen rechten Arm, zielte kurz und schoss. Eine Salve von sechs Schüssen traf den Roboter. Doch er erreichte damit nur, dass der Roboter mit dem Laser gegenfeuerte. Barret versuchte auszuweichen, doch der Laser war schneller. Er streifte ihn an der linken Schulter und hinterließ dort eine hässliche Brandwunde. Barret schrie auf und taumelte nach hinten, wo er gegen die kalte Eisentür zum Reaktor stieß. Er holte tief Luft, schloss kurz die Augen, biss die Zähne zusammen und setzte erneut zu einer Salve an. „Barret, lass das, es hat keinen Sinn!“ Clouds Stimme ließ ihn innehalten. „Und was bitte, sollen wir jetzt machen?“, fragte Barret. Der Roboter setzte sich schwerfällig in Bewegung und kam weiter auf sie zu. „Ich habe eine Idee. Du musst ihn nur Ablenken und auf Distanz halten.“ „Nur? Und sonst nichts? Soll ich dir nicht dabei die Schuhe putzten oder so?", fragte Barret sarkastisch. Aber Cloud hörte nicht zu, er holte eine grüne, etwa Kinderfaust große Kugel aus einem Beutel. Cloud konzentrierte sich, er schloss seine Augen. Es wurde still um ihn, er nahm keinen Laut mehr wahr. Cloud öffnete die Augen wieder und streckte die rechte Hand mit der Kugel dem Roboter entgegen. In diesem Moment entlud sie sich, und ein gleißender Blitz raste von ihr auf den Roboter zu, wo er krachend einschlug. Das Echo kam tausendfach zurück. Der Roboter wurde von kleinen blauen Energieentladungen überzogen, es knisterte, und schließlich fing er erst an zu schwellen, und dann entflammte er. Die grüne Kugel färbte sich grau, und zerfiel zu Staub. Cloud presste die Hände auf die Schläfen, in seinem Kopf tobte ein furchtbarer Schmerz. „Das war Materia, nicht wahr?“ Cloud nickte benommen. „Woher hast du sie?“ Cloud lächelte gequält: „Bitte Barret, nicht jetzt. Wir sollten lieber zusehen, dass wir hier herauskommen!“, mit einem Blick auf die Zeiteinstellung der Bombe sagte er: „In einer Viertelstunde geht hier alles hoch!“ Barret rannte, dicht gefolgt von Cloud, auf die Leiter zu, von der sie gekommen waren. Barret begann die Leiter hochzusteigen. Cloud folgte ihm. Oben auf dem Rohr angekommen, liefen sie zur nächsten Leiter. „Beeil dich, die Zeit läuft uns davon!“ „Das weiß ich selbst, Verdammt!“, Barret konnte die aufkeimende Panik kaum noch unterdrücken. Von der Leiter aus konnten sie Jessie sehen, die schon ungeduldig auf sie gewartet hatte. Als die Beiden bei ihr waren, liefen sie gemeinsam weiter. Sie hatten die Hälfte der Strecke zur Tür bereits hinter sich, als es geschah: Ein Rohr platzte und kochendheißer Wasserdampf entwich. Jessie wurde getroffen und schrie auf, sie lief weiter und trat plötzlich ins Leere. Für einen quälend langen Moment geschah nichts, dann begann der Sturz. In Zeitlupe glitt das Rohr an ihr vorbei. Auf einmal ging ein Ruck durch ihren Arm, die Zeit verlief nun wieder normal. Sie hing in der Luft. Cloud hatte sie am Arm gepackt und zog sie gemeinsam mit Barret hoch. „Danke, ihr habt mir das Leben gerettet.“ „Wenn wir weiter so rumtrödeln, glaube ich, dass du es schneller verlieren wirst, als dir lieb ist.“ In Barrets Stimme schwang deutlich Panik mit. Jessie wandte sich wortlos dem Sims zu, auf dem sie sich zur Tür vorarbeiteten. Dort angekommen stürmten sie durch den Zwischengang auf den Raum zu, indem sich der Fahrstuhl befand. Als sie über die rostigen Gitterstufen nach oben zum Fahrstuhl rannten, stürzte die Treppe ein. Jessie und Barret retteten sich mit einem Hechtsprung auf die Plattform. Es schepperte und krachte laut, dann kehrte Stille ein. „Wo ist Cloud?“, fragte Jessie besorgt. „Hier, ich hänge fröhlich mit nur einer Hand über dem Abgrund und warte auf meine Rettung. Aber bemüht euch bloß nicht zu sehr, ihr könntet mir lediglich das Leben retten“, sagte Cloud. Und tatsächlich, man konnte Clouds Hand sehen, die sich an der Betonplatte festhielt. Jessie und Barret liefen hin und zogen Cloud hoch. Cloud nickte den beiden dankbar zu, dann liefen sie zum Fahrstuhl. Dieser setzte sich in Bewegung, nachdem Cloud ihn betreten hatte. „Warum braucht dieser Aufzug nur so verteufelt lange?“ Auch Jessie wurde von der um sich greifenden Panik nicht verschont. Cloud sah auf seine Armbanduhr. „In ein paar Minuten wird hier alles explodieren!“ „Cloud, du verstehst es einem Mut zu machen. Wie aufbauend, genau das habe ich jetzt gebraucht.“ Barrets Zynismus blieb ihm trotz seiner Angst treu. Als der Fahrstuhl hielt, stürmten alle gleichzeitig los. Sie durchquerten den quadratischen Raum in einem Rekordtempo. Auf dem dahinterliegenden Gang wartete bereits Biggs auf sie. „Verdammt, Biggs! Renn um dein Leben, hier geht gleich alles hoch!“, rief Barret ihm zu. Sie stürmten nun zu viert die Treppe hinunter, dem Ausgang entgegen. Auf der Brücke bogen sie nach rechts zum Fluchtweg, da fing es an zu knistern und der Sprengsatz explodierte. Die Druckwelle schleuderte sie haltlos durch die Luft. Ihr Flug fand am Brückengeländer ein unsanftes Ende. „Schnell“, brüllte Barret, „gleich geht der ganze Reaktor in die Luft!“ Sie hasteten durch die von Wedge geöffnete Tür, die sich hinter ihnen schloss. Cloud sah sich um, sie befanden sich in einem alten, stillgelegten Eisenbahntunnel. Seine weiteren Überlegungen wurden jäh unterbrochen. Der Reaktor explodierte. Es war selbst hinter der Tunnelwand noch ohrenbetäubend. Sie wurden von den Beinen gerissen und die Wand bekam breite Risse. |