von Sonja Hartmann Dez. 2007
Mein soziales Engagement begann vor fast einem Jahr, als ich dachte, dass es schön wäre, die Adventszeit nicht nur Adventszeit sein zu lassen, sondern sich auch anderen zuzuwenden, die vielleicht tief im Inneren ihres Gefühl fast darauf gewartet haben, dass gerade ich zu ihnen komme. Warum sollte ich lange überlegen, also nahm ich Verbindung zu einem in unserer Nähe gelegenen Seniorenheim, dem Franz-Jordan-Stift auf. Darüber hatte ich auch auf unserer Schulhomepage berichtet. Dies insbesondere deswegen, um anderen Mitschülern die Freude weiterzugeben, die man dabei empfindet, wenn man anderen hilft und sie vielleicht auch zum Mitmachen zu bewegen. Wäre es nicht schön, wenn wirklich eine Gesellschaft entsteht, wo andere füreinander da sind?
Wenn ich darüber nachdenke, wieso gerade ich, dann merke ich, dass man viele Eindrücke, nicht zuletzt aus der Schule aufnimmt. Vor gewisser Zeit hatte ich eine Monatsarbeit über Benjamin Franklin verfasst. Dieser Mitgründer der Vereinigten Staaten von Amerika sah die Hinwendung zu einem eigenen demokratischen Staat nicht ohne die Beteiligung seiner Bürger. Er empfand es als Aufgabe, etwas Sinnvolles für das Gemeinwohl zu schaffen. Die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr, öffentlichen Leihbüchereien,die Organisation des Postwesens oder aber auch die Verbesserung des Schienenverkehr gingen auf ihn zurück.
Davon bin ich natürlich weit entfernt, klar. Ich hatte aber irgendwie eine ähnliche Vorstellung wie er auch. Demokratie muss von den Bürgern ausgehen. Es ist keine Sache, die man allein Politikern überlassen sollte. Als Bürger muss man sich am Staat beteiligen und damit auch etwas für andere tun. Das sind ziemlich große Worte, aber warum sollte ich nicht im Kleinen damit anfangen.
Fast jeden Sonntag fahre ich mit meinem Fahrrad zum Seniorenheim, und bringe alte Menschen, die oft im Rollstuhl sitzen, von und zum Gottesdienst in die Kapelle. Bei schönem Wetter schiebe ich dann einige im Rollstuhl in einen nahegelegenen Park. Wir plaudern dann zusammen, sofern möglich. Aber auch ein Lächeln kann wie ein Gespräch sein.
Am 7.12.2007 stand jetzt der "Soziale Tag der Katholischen Schule Salvator" auf dem Programm. Im Rahmen dieses Tages arbeiten die Schüler der Schule in Firmen, die dafür diesmal einen gewissen Betrag für das Projekt "Nachtasyl Pater Jordan in Temesvar/Rumänien" an den "Orden der Schwestern vom Göttlichen Heiland" überweisen.
Was bot sich für mich mehr an, als diesen Tag mit den Leuten zu verbringen, die ich auch sonntags besuche? Morgens überkam mich zunächst ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend. Was machst du dort eigentlich? Das hast du doch gar nicht gelernt. Als ich dann dort war, überlegte ich gar nicht mehr weiter und begann einfach mich mit den Menschen zu beschäftigen. In den einzelnen Stationen nahm ich mir einen Ball und warf ihn dem im Kreis herumsitzenden älteren Menschen zu. Ich verband das damit, dass ich dabei einen Buchstaben sagte, beim Auffangen sollte man dann ein Tier mit dem gleichen Anfangsbuchstaben sagen. Nach einer Weile klappte das ganz gut. Nachdem wir genug geschwitzt hatten, nahm ich meine Blockflöte und spielte einige Weihnachtslieder. Es beeindruckt mich jedes Mal, wenn Menschen, die manchmal kaum auf ein Wort reagieren, den gesamten Text mitsingen. Einfach schön!
In anderen Stationen, wo die körperliche Beweglichkeit doch schon mehr eingeschränkt war, nahm ich mir Malblöcke zur Hand und wir malten dann gemeinsam ein weihnachtliches Motiv. Aber immer wieder reagierten die Menschen auf mein Blockflötenspiel. Es kam mir vor, als ob alte Erinnerungen an die Schulzeit bei den Heimbewohnern aufkam. Man war wieder in der früheren Zeit, vergessen schienen körperliche Beschwerden. Im Franz-Jordan-Stift wird sehr viel für die Menschen getan, manches kann aber in dieser Form auch nicht geleistet werden. Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass man als jüngerer Mensch ganz anders wahrgenommen wird. Es ist eher ein Miteinander, als wenn sich Pflegepersonal um die Menschen kümmert.
Auch am 2.Adventssamstag habe ich wieder in der Kapelle mit meinen Eltern musiziert. Viele kennen mich und man ist schon ziemlich vertraut miteinander.
Lichtblicke habe ich meinen Bericht überschrieben. Ich glaube man kann ein wenig nachempfinden, dass dieser Blick aus dem Fenster auch mir gilt. Man schaut ja nicht nach daußen auf etwas Unbekanntes, man schaut aufeinander und das macht für mich demokratisches Handeln in der Gemeinschaft aus.