Fachbereich Religion
besucht Salvatorschule
Mi, 10.12.2008

„Nehmt das Weihnachtsfest ernst. Gott lässt sich auf uns ein. Werdet als Christen anspruchsvoller. Lebt euer Leben aus diesem Anspruch des Glaubens!“ Die Botschaft von Bischof Strotmann ist ebenso einfach wie folgenschwer in ihren praktischen Konsequenzen. Die Runde der 70 Oberstufenschüler diskutiert ernst und nachdenklich mit dem Geistlichen aus Südamerika, der anlässlich der diesjährigen Adveniat-Aktion in Deutschland weilt.
Bischof Strotmann (62) ist der erste Bischof der 1996 gegründeten Diözese Chosica im Osten der peruanischen Hauptstadt Lima. Der gebürtige Westfale lebt seit 1972 in Südamerika, zunächst im Hochland. „Das war die Voraussetzung für meine heutige Tätigkeit. Ich kenne das Leben und die Not der Menschen. Ich verstehe sie.“ Später wurde der promovierte Theologe und Soziologe Rektor der Theologischen Fakultät Limas.
Der Bischofssitz der Diözese mit ihren 1,5 Millionen Gläubigen liegt im Armenviertel Huaycán. Die 100.000 Einwohner leben in selbst zusammengebastelten Hütten. Tankwagen halten die mangelhafte Wasserversorgung aufrecht. Ein funktionierendes Abwassersystem existiere nicht. Überleben sei hier das Grundproblem der Menschen. Darüber hinaus liege das größte Gefängnis des gesamten amerikanischen Kontinents in seiner Diözese. Weihnachten werde er mit den 11.000 Insassen feiern. Ob er nicht jedesmal einen Kulturschock erleide, wenn er nach Deutschland komme, will ein Schüler wissen. Bischof Strotmann findet klare Worte und bezieht sich in seiner Antwort auf den heutigen 60. Jahrestag der ´Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte´. Er sehe eine große wirtschaftliche Ungerechtigkeit zwischen Europa und Südamerika, die nicht vom Himmel gefallen, sondern ein Ergebnis der 500 jährigen Geschichte seit der Entdeckung des Kontinents sei. In seinen Gesprächen mit Vertretern der Bundesregierung weise er immer wieder auf die Verantwortung der reichen westlichen Staaten hin.
Die Schüler rief der Bischof zu einer „heiligen Unruhe“ auf, „damit Sie die Gegenwart nicht verschlafen. Als Christen glauben wir nicht an eine Idee, sondern haben die Erfahrung mit Christus. Aus diesem Bewusstsein heraus können Sie Ihre Wirklichkeit verändern.“
Th. Dicker