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Datum: 14.01.1998
Ressort: Lokales
Autor: (nicht benannt)

Lange Schlangen vor der Pankower Suppenküche
Franziskaner versorgen täglich Obdachlose

Es ist Sonntag, 12 Uhr. Die Schlange vor der Suppenküche in der Wollankstraße in Pankow wird immer länger. Noch eine viertel Stunde müssen die Obdachlosen warten, bis die großen, 90 Liter fassenden Kessel mit Eintopf geöffnet werden. Einige der Obdachlosen stehen rauchend in kleinen Gruppen zusammen und unterhalten sich. Andere sitzen abseits und starren in die Kälte. Im Laufe des Tages werden noch 300 bis 500 Menschen in den Innenhof der Suppenküche kommen. So viele sind es täglich, die in die Wollankstraße fahren.

Gegründet wurde die Suppenküche vor sieben Jahren von den Franziskanern. Schwester Monika leitet sie. Außer ihr arbeiten dort auch noch Bruder Peter, etwa 30 ehrenamtliche Helfer und ab und zu einige Praktikanten. Die auf ABM-Basis tätige Köchin wird leider in nächster Zeit dort nicht mehr arbeiten können.

Im Haus gibt es außer der Küche auch noch eine Kleiderkammer, eine Kranken- und Hygienestation mit Badezimmer und drei Aufenthaltsräumen. In der Kleiderkammer werden alle gespendeten Pullis, T-Shirts, Hosen und Mäntel fein säuberlich nach Größen sortiert. Bei der Kleiderausgabe mittwochs und freitags können sich die Bedürftigen mit dem Notwendigen versorgen. Es kommen rund 150 Leute am Tag. Schuhe und Unterwäsche werden noch dringend benötigt.

In der Kranken- und Hygienestation betreut seit fünf Jahren eine Ärztin die Obdachlosen. Sie können sich dort untersuchen und ihre Wunden behandeln lassen. Ein großer Wunsch der Helfer ist es, daß auch Spezialärzte, beispielsweise Zahnärzte, dort tätig werden. Aber einerseits fehlt das nötige Geld und andererseits, so erfahren wir, haben viele Ärzte auch Berührungsängste gegenüber Obdachlosen.

Inzwischen ist es soweit, die großen Suppentöpfe sind geöffnet. Jeder Wartende bekommt einen Teller voll und zwei belegte Brote. In der Schlange steht auch ein junges Mädchen, ungefähr 13 Jahre alt. Bruder Peter erzählt uns, daß Obdachlose jeden Alters kommen. Allerdings sehen die meisten älter aus, als sie sind. Das harte Leben auf der Straße hat sie gezeichnet.

In Berlin soll es rund 10 000 Obdachlose geben, die bei den Sozialämtern gemeldet sind. Aber es wird geschätzt, daß ihre Zahl wesentlich größer ist. Allen von ihnen Unterkunft zu geben, ist nicht von heute auf morgen möglich. Und viele würden ein solches Angebot auch nicht annehmen. Dennoch schaffen es einige, aus ihrer Situation herauszukommen. Eine Möglichkeit bieten Obdachlosen-Zeitungen. Durch den Verkauf oder auch das Schreiben von Artikeln können sie sich selbst etwas Geld verdienen. Das ist zwar erst ein kleiner Schritt, aber auch ein hoffnungsvoller Anfang, den wir durch unsere Hilfe unterstützen sollten.

(Juliane Aufdembrinke, Klasse 8 b, Katholische Schule Salvator, Reinickendorf)