| 06. Oktober 1997 | |
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Tamagotchi, Handy, Quix -
High-Tech im Klassenzimmer
Von Anne Schneider Sie übermitteln sich die Aufgaben via Fax, lästern per Pager-Quix über Lehrer und gehen mit dem Handy zum Abitur. Die Jüngeren betreuen ihre virtuellen Haustiere wie das "Tamagotchi". Immer mehr High-Tech-Spielzeug wandert in Berlins Klassenzimmer. Modische Erscheinung oder ernsthaftes Problem? Die Einschätzungen gehen auseinander. Feststeht: Noch gibt es kein generelles Verbot von elektronischem Spielzeug an den Schulen, "weil das Phänomen nicht gleichermaßen an allen Schulen auftritt", erklärt Landesschulamtsleiter Wilfrid Seiring. Der Umgang damit falle in die Eigenverantwortung der Schulen und werde durch die Schulordnungen geregelt. Dort heißt es, daß ein störungsfreier Ablauf des Unterrichts gewährleistet sein muß. Fazit: Lehrer fordern die Schüler auf, piepende Armbanduhren, Handys und Gameboys abzuschalten, nach mehrmaliger Ermahnung wird konfisziert. Ein harter Kampf, weiß die Referendarin einer Pankower Grundschule: "Das Tamgotchi ist kein schnell vorübergehendes Phänomen. 22 meiner 27 Schüler haben eins. Es ist pädagogisch fragwürdig, doch die Faszination ist nicht zu unterschätzen." Ihre Kinder fieberten dem Pausengong entgegen, um die digitalen Küken zu versorgen. Über die Tamagotchi-Welle klagt auch Winfried Wergen, Lehrer an der katholischen Salvator-Schule: "Wir haben ein gespaltenes Verhältnis dazu. Eltern sprechen es in den Elternabenden an, auch bei der Schulleitersitzung war es Thema. Dennoch halte ich nichts von Verboten." Das modische Spielzeug verliere ohnehin bald an Attraktivität. Was außer Büchern in der Mappe mitgeführt wird, hängt vom Alter der Schüler ab. Die Lilienthal-Oberschule hat laut Schulleiter Eberhard Ninow "öfter Probleme mit Handys oder Quix-Geräten". Als er einen Schüler auf das störende Quix angesprochen habe, war die Antwort: "Ich muß für meine Familie immer erreichbar sein." Statussymbolik und demonstrativer Konsum solcher Geräte machen auch der Senatsschulverwaltung Sorgen: "Liebe wird an Elektrokästen gerichtet, die nichts zurückgeben", meint Pressesprecherin Almuth Traeger. Eines Verbotes bedürfe es nicht. "Die Lehrer sind Pädagogen genug, das in den Griff zu kriegen." ©Berliner Morgenpost 1997
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