| Die
Berliner Blockade: Der Verlauf der Luftbrücke Referat im Fach Politische Weltkunde von Sebastian Boewer und Gordian Scholz |
| Der Beginn
der Luftbrücke Berlin war bereits 1948 eine streng von den westlichen Besatzungszonen getrennte Insel. Die kürzeste Entfernung zur Grenze zwischen BRD und DDR betrug 166 km. Damit waren die etwa 2 Millionen Einwohner Berlins auf die Versorgung über die drei Transitstrecken oder per Schiff angewiesen. Eine Eigenversorgung mit Lebensmitteln aus eigenem Anbau war aufgrund der kleinen Fläche von Westberlin nicht möglich. Im Juni 1948 wurde das Verhältnis zwischen den Westmächten und der UDSSR schlechter und gipfelte schließlich am 24. 6.1948 in der völligen Blockade Berlins. Ursprünglich sollte die Luftbrücke nur eine erste Antwort auf die Provokationen durch die Sowjetunion sein. General Clay wollte schon kurze Zeit später mit Panzern den Weg nach Berlin wieder öffnen. Hierzu bekam er aber keine Zustimmung aus Washington. Er erhielt jedoch die volle Unterstützung für die Operation "Vittles", d.h. zur Luftbrücke. Die Luftbrücke beginnt zu "rollen" Aus aller Welt wurden US-Luftgeschwader in Richtung Deutschland in Bewegung gesetzt. Die 2,1 Millionen Einwohner Berlins benötigten immerhin ca. 13.000 Tonnen Lebensmittel und Brennstoffe täglich. Diese Kapazität wurde jedoch erst 1949 erreicht. Allerdings konnte in den ersten Monaten noch auf die vorhandenen Vorräte in Berlin zurückgegriffen werden, so daß in der ersten Phase der Luftbrücke "nur" ein Bedarf von ca. 4.500 Tonnen täglich transportiert werden mußte. Da anfangs nur alte zweimotorige C-47 aus dem Weltkrieg zur Verfügung standen, wurde die Wirksamkeit der Luftbrücke von vielen in Frage gestellt. Auch die Sowjets nahmen sie in den ersten Wochen nicht ernst. |
| Am 26. Juni wurden
lediglich 500 Tonnen nach Berlin geflogen. Am Ende der Luftbrücke
erreichte die Kapazität nahezu das 30-fache. Bis zum 1. Oktober wurden
jedoch die C-47 Maschinen fast vollständig durch die nahezu sechsmal
leistungsfähigeren C-54 Skymaster (zivile Bezeichnung: DC-4) ersetzt.
Bereits zwei Tage nach Beginn der Luftbrücke beteiligten sich auch
die Engländer an dem Unternehmen und flogen mit ihren C-47 den Flughafen
Gatow an. Auch britische Wasserflugzeuge vom Typ Sunderland kamen zum
Einsatz und landeten auf Wannsee und Havel. Gleichzeitig wurde mit dem
Bau eines neuen Flughafens in Berlin-Tegel begonnen, der bereits nach
85 Tagen einsatzfähig war. Die Flugzeuge kamen anfangs vor allem
von der Rhein-Main Airbase Frankfurt und von Wiesbaden. Von den insgesamt
280 an der Luftbrücke beteiligten Flugzeugen waren über 200
vom Typ C-54 Skymaster. Trotz der Blockade ging das Leben und Arbeiten in Berlin weiter. Die Industriebetriebe produzierten Ware, die größtenteils über die Luftbrücke ausgeflogen wurde und zur Finanzierung der Stadt beitrug. Nach der Gründung der Freien Universität Berlin wurde der Bau des Kraftwerks, der BEWAG, während der Blockade fortgesetzt. Insgesamt 1.500 Tonnen Bauteile wurden von den "fliegenden Güterwagen" vom Typ C-82 nach Berlin transportiert. Kurz nach Ende der Luftbrücke wurde in einem sensationellen Flugexperiment in einer Doppelrumpfmaschine eine 11 m lange Trägerstütze transportiert, die sogar einige Meter aus dem Flugzeug ragte und daher korrekt mit einem roten Tuch gekennzeichnet war. Weihnachten 1948 Einige Luftbrückenpiloten starteten das "Unternehmen Weihnachtsmann", bei dem von Freunden und Bekannten aus den USA insgesamt 53.000 Pakete an Berliner Kinder verschickt wurden. Eine besondere Bedeutung für die Kinder Berlins erlange der US-Pilot Gail Halvorsen. Er bastelte in seiner Freizeit kleine Fallschirme mit Schokolade und Süßigkeiten, die er beim Landeanflug zur großen Freude der Berliner Kinder abwarf. Bald waren häufig Tausende von Kindern am Flugfeld Tempelhof versammelt und warteten auf die Ankunft des "Schokoladenfliegers". Der Flugbetrieb Der tägliche Flugbetrieb von und nach Berlin wurde durch die schmalen Korridore und die große Anzahl der Flüge zusätzlich erschwert. In den Korridoren war jegliches Manövrieren unmöglich. Alles mußte im ersten Versuch funktionieren. Wenn der erste Landeanflug mißglückte, mußte nach Westen zurückgeflogen werden, und der Pilot mußte sich neu in die Kette einreihen. |
|
|
|
Die Flugdisziplin mußte sehr streng eingehalten werden, was nachfolgendes Beispiel eines Fluges zeigt: Nach dem Start in Frankfurt erreichte die Maschine über Aschaffenburg die vorgeschriebene Reiseflughöhe zwischen 1000 und 2000 Metern, je nach Wetterlage. Anschließend drehte sie 45 in Richtung Nordosten und flog hart an der Zonengrenze Richtung Fulda. Dort meldete der Pilot seine Ankunftszeit. Hieran konnten der vorausfliegende und der nachfolgende Pilot den Abstand kontrollieren, der genau drei Minuten betragen sollte. Hinter Fulda mußte der Pilot dann im "Blindflug" ohne Luftüberwachung durch die sowjetische Zone fliegen und dabei exakt den Kurs, die Höhe und die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 270 Kilometern einhalten. Bei dieser Geschwindigkeit waren die Grenzen des nur 32 km breiten Korridors schnell erreicht. 40 Minuten nach Verlassen des Funkfeuers Fulda meldete sich der Pilot dann über die Frequenz 118,7 in Tempelhof und gab die genaue Zeit und Höhe an. Von hier wurde er durch die Tempelhofer Controller übernommen und im großen Bogen über die südlichen Außenbezirke zum Flughafen geleitet.
Schon in den ersten Monaten des Jahres 1949 wurde auch den Sowjets klar, daß die Blockade durch die Luftbrücke "besiegt" wurde. Im Frühling 1949 war die Luftbrücke bestens eingespielt. Alle auftretenden Probleme wurden bei der Planung berücksichtigt. Im März wurden fast 200.000 Tonnen Fracht und im April über 235.000 Tonnen nach Berlin geflogen. Die Flugzeuge wurden mittlerweile entsprechend ihrer maximalen Geschwindigkeit zu Gruppen von 12 - 15 Maschinen zusammengefaßt und über verschiedene Höhen nach Berlin geleitet. Bis zu fünf verschiedene Gruppen flogen so innerhalb eines Korridors übereinander. So wurde in Berlin erstmals getestet, Lufträume über Flughäfen mit einer großen Verkehrsdichte zu entwirren und jedes Flugzeug sicher auf den Boden zu bringen. Die moderne Kontrolle von großen Flughäfen wurde hier entwickelt. Die Unfallrate lag, trotz 76 Todesopfern, erstaunlich niedrig, wenn man die Gesamtzahl der Flüge (fast 300.000) bedenkt. Insgesamt ereigneten sich "nur" 126 Unfälle. Aufgrund des Erfolges der Luftbrücke konnte bereits im Januar 1949 die tägliche Kalorienverbrauchsmenge je Einwohner von 1.600 auf 1.880 Kalorien hochgesetzt werden. Im Frühjahr wurde auch den Sowjets mehr und mehr deutlich, daß die Berliner Blockade vergeblich war. Am 5. Mai 1949 wurde dann in einer Vereinbarung zwischen den vier Großmächten das offizielle Ende der Blockade für den 11. Mai 1949 um 24.00 Uhr festgelegt. Die Luftbrücke wurde jedoch noch bis zum 6. Oktober 1949 aufrechterhalten, um die Vorräte in Berlin schnell wieder aufzufüllen.
Einige Daten zur Operation "Vittles" oder "The Big Lift":
|
|
Katholische Schule Salvator - Referat im Fach Politische Weltkunde von Sebastian Boewer und Gordian Scholz Illustrationen © 1998 Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin Sitedesign © 1999 Thorsten Papkalla - tpapk@gmx.net |