Eine kleine Kirchengeschichte

kurzer Überblick für eine Erst-Orientierung

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Die beiden ersten Jahrhunderte

Alles beginnt mit Jesus von Nazareth. Er ist von Gott gesandt; mehr noch: Nach seinem Tod erkennen seine Anhänger: Das war Gottes Sohn. In ihm war Gott selbst unter uns gegenwärtig, Mensch unter Menschen.

Jesu Verkündigung war einfach und entschieden: Liebe Gott aus Deinem ganzen Herzen und liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Diese einfache Botschaft, eine „gute, frohe Nachricht“ (d.h. griechisch: Evangelium) befreit Menschen. So heilt Jesus die Menschen, er tröstet, gibt Vertrauen, stärkt das Selbstbewußtsein.
Seine Jünger tragen die Botschaft in alle Welt.
Am weitesten kommt dabei Paulus aus Tarsus herum. Mehrere große Reisen führen ihn nach Kleinasien, Griechenland und zuletzt bis Rom. Auf diesen Reisen gründet er viele Gemeinden. In zahlreichen Briefen hält er mit ihnen Kontakt. Diese Briefe entfalten und begründen den jungen Glauben. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des Neuen Testamentes.

Zwischen den Jahren 50 und 100 entstehen die vier Evangelien. In ihnen berichten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes aus dem Leben Jesu. Von Lukas stammt ein weiteres Buch des Neuen Testamentes: Die Apostelgeschichte. Sie schildert die Ausbreitung des Glaubens von Jerusalem bis nach Rom, dem Herzen des römischen Imperiums. Johannes wird die sogenannte Apokalypse zugeschrieben, Dieses Buch versucht in extrem bildhafter Art den unter Verfolgung leidenden Gemeinden Trost und Zuversicht zu spenden: Auch wenn die Welt in Trümmer zu fallen scheint
(„Apokalypse“): Gott wird am Ende siegen.

Die ersten Jahrhunderte sind einerseits Jahre stürmischen Wachstum - entlang der römischen Handels- und Verkehrswege über Händler und Soldaten. Schon bald gab es in allen mehr oder weniger großen Städten und Garnisonen Christen. Das Christentum wird zur Religion vor allem der einfachen Leute und der Angehörigen sozial benachteiligter Gruppen. Sie vor allem waren ansprechbar für die revolutionären Ideen der Brüderlichkeit, der Menschenwürde, der Barmherzigkeit und Friedfertigkeit.

Andererseits aber dringen immer mehr auch Gedanken der hellenistischen Philosophie in das Christentum ein (vor allem die Gnosis), Gedanken und Idee, die der Theologie der kommenden Jahre manchen Verdruß bereiten werden. Mitte dieses Jahrunderts ist der christliche Glaube im ganzen Reich verbreitet: Spanien, Frankreich, Südengland, Ägypten, Kleinasien, Nordafrika, am Schwarzen Meer; auch außerhalb des Imperiums in Armenien, in Syrien, in Äthiopien. Der Legende nach soll der Apostel Thomas sogar sogar bis hin nach Indien gekommen sein.

Zum Dritten ist dies eine Zeit der institutionellen Konsolidierung der jungen Kirche. Strukturen verfestigen sich. Die besondere Rolle des Bischofs von Rom beginnt sich herauszukristallisieren. Lehrbriefe und Synoden legen Ordnungen fest. Um 200 gibt es die Kirchenordnung des Hippolyt, die den Aufbau der Gemeinde und liturgische Fragen regelt.

 
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Das dritte Jahrundert

Andererseits werden nun aber auch die Probleme der jungen Kirche deutlicher: Es beginnt die theologische Durchdringung des Glaubens, vor allem des Christusgeheimnisses.

Wer ist Jesus wirklich? Wie kann Gott Mensch sein? Wie können die Geheimnisse des Glaubens in der Sprache der Vernunft verständlich gemacht werden. Aus einem einfachen Glauben beginnt sich eine komplizierte Theologie zu entwickeln. Währenddessen hält der äußere Druck unvermindert an:

Die Christen müssen weiterhin blutige Verfolgungen ertragen. Es ist aber auch die Zeit großer Heiliger: Der Bischof und Theologe Origines, Tertullian, der die Rechtgläubigkeit verteidigt,, die Bischöfe Dionys von Alexandrien, Cyprian von Karthago oder der sozial engagierte Diakon Laurentius, den man auf einem Rost zu Tode brät ...

 
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Das vierte Jahrhundert

Dieses Jahrhundert bringt zunächst das Ende der Unterdrückung. Kaiser Konstantin macht das Christentum zu einem vom Staat anerkannten Kult (313). Unter dessen Nachfolger Theodosius dem Großen schließlich wird es sogar Staatsreligion (380). Der Legende nach soll Konstantin sich dem Christentum zugewandt haben, weil er kurz vor der Entscheidungsschlacht um Rom an der milvischen Brücke eine Kreuzes-Vision gehabt habe, in der ihm verheißen worden sei: „In diesem Zeichen wirst Du siegen!“
Der wahre Grund ist dagegen vermutlich seine politische Weitsicht. Eine einzige Religion im Staat, der Glaube an einen Gott, dem Schöpfer der ganzen Welt und dem Herrn aller Menschen ist allemal staatserhaltender und einheitsstiftender als eine Vielzahl von Religionen, Kulten und religiösen Überzeugungen. Außerdem war diese neue, junge Religion noch stark, kraftvoll und voller Dynamik. Für viele Kirchenkritiker jedoch war diese staatliche Protektion ein verhängnisvoller Schritt mit weitreichenden Folgen für den Glauben: Dadurch sei die Kirche in eine gefährliche Nähe zur staatlichen Macht gekommen. In der Tat haben in der Folgezeit römisches Recht, Verwaltungswesen und Organisation das kirchliche Denken beeinflußt und kirchliche Strukturen mitgeprägt.

Das vierte Jahrhundert ist aber auch die Zeit gefährlicher Irrtümer und Irrlehren. Erste gesamtkirchliche Konzilien und viele regionale Synoden und Konzilien müssen Klarheit schaffen.

 
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Das Fünfte Jahrhundert

In diesem Jahrhundert leben und sterben so bekannte Leute wie: Martin von Tours, Ambrosius von Mailand, Johannes Chrysostomos, und Augustinus (30).
Der heilige Patrick von Irland missioniert. Von Irland und Schottland aus werden bald darauf eine Vielzahl von Missionaren das Festland durchwandern und missionieren. Währenddessen geht das weströmische Reich in die Brüche. Vandalen, West- und Ostgoten, die Franken -sie werden zusammen mit ihrem König 498 - katholisch- drängen über die Grenzen. Die Umwälzungen der Völkerwanderung lassen Rom wanken und schließlich stürzen. Mehr und mehr fällt der Kirche nun die Rolle einer ordnenden Macht zu.

Sie wird Kulturerbe der klassischen Antike und Kulturträger der kommenden Zeit. Unter den Händen rivalisierender Kaiser und Könige und miteinander kämpfender Völker wird andererseits das Christentum aber auch zum begehrten Spielball politischer Interessen:Für die Kirche lebensgefährliche Irrlehren wie der Arianismus oder der Nestorianismus zum Beispiel werden in den Händen rivalisierender Herrscher zum Mittel der politischen Auseinandersetzung.

 

 
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Das sechste Jahrhundert

Einer der herausragenden Figuren des 6. Jahrhunderts ist der Heilige Benedikt von Nursia. In Monte Casino gründet er 529 das erste große Kloster. Der Kernsatz der Ordensregel der Benediktiner lautet: Bete und arbeite. Die Regel des hl. Benedikt ist bis heute Grundlage vieler Ordensgemeinschaften.

Das Weströmische Reich liegt in den letzten Zügen und bricht mehr und mehr unter dem Ansturm von Goten und Langobarden zusammen. Der Untergang Roms ist nicht aufzuhalten.
Einer der größten Päpste der Kirche hat 590 den Papstthron bestiegen: Gregor der Große. In den Wirren dieser Epoche ist der Papst die einzige noch effektiv funktionierende Ordnungsmacht in Rom. Seine Politik (Konzentration des Besitzes um Rom, Zentralisierung der Verwaltung) schafft die ersten Voraussetzungen für die spätere Schaffung des Kirchenstaates

Weite Teile Europas waren inzwischen zwar getauft. Das Christentum war aber noch lange nicht „in den Herzen der Menschen verwurzelt“

 
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Das siebte Jahrhundert

Kennt relativ wenige „große Daten und Ereignisse“. Und dennoch: Was damals geschah, wirkt sich noch heute aus...

640 zum Beispiel werden die Serben christlich. Einige tausend Kilometer südlich wird zur gleichen Zeit Mohammed geboren. Und mit ihm der Islam. Noch 1994/95 müssen beide Religionen als Rechtfertigung und Ausrede herhalten für Völkermord, Nationalismus, Gewalt und Terror...

In England gewinnt der römische Papst mit Hilfe der iroschottischen Mönche den Sieg über die Angelsachsen (664 Synode von Whitby). Damit setzt er zugleich auch römisches Denken durch: Und das bedeutet: Zentralisierung und Hierarchisierung. Es werden Mönche aus dieser geistigen Tradition sein, die wenig später auf dem Festland die Kirche aufbauen und in eben diesem Sinn reorganisieren.

Und es sind wiederum diese Staaten, die bis weit ins Mittelalter hinein europäische und kirchliche Politik dominieren. In Gallien, im Bereich der heutigen Schweiz und in Oberitalien missioniert oder besser reformiert in diesem Jahrhundert Columban die Kirche. Er wird unterstützt von Kilian (Würzburg) und Gallus (St. Gallen). Ende dieses Jahrhunderts wird dann der Mann geboren, der für Deutschlands Kirche von ausschlaggebender Bedeutung ist: Bonifatius.

 
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Das achte Jahrhundert

Das achte Jahrhundert steht -zumindest unter deutscher Sicht- ganz unter dem Namen Bonifatius. In einem - für frühmittelalterliche Verhältnisse - reifen Alter von 40 Jahren erhält Winfried Bonifatius den Auftrag, Germanien zu missionieren. Sein Aufgabenbereich reicht von der Nordsee bis zu den Alpen. Er gründet eine Vielzahl von Bistümern (u.a. Fulda, Erfurt, Würzburg, Eichstädt). Er kämpft gegen heidnische Vorstellungen, reformiert das Klosterwesen (unterstellt sie der Regel des hl. Benedikt), er sorgt für eine gediegene Klerusausbildung, er baut eine funktionierende Verwaltung auf, er schwört die germanische Kirche auf Rom ein: Ein Mammutlebenswerk. 754 wir er bei einer Tauffeier in Friesland erschlagen.

Im Westen Europas werden unterdessen ebenfalls Fakten geschaffen. 732 hatte Karl Martell das Abendland bei Tours und Poitiers vor den Arabern gerettet. Sein Nachfolger Pippin ist der Kirche eng verbunden. Bonifatius salbt ihn zum König, Papst Stephan wiederholt die Weihe.

Die römische Kirche bindet ihr Schicksal an das Frankenreich. Pippin zeigt sich erkenntlich: Er schenkt der römischen Kirche weite Bereiche Mittelitaliens zu eigen, ideologisch gestützt mit der „konstantinischen Schenkung“, einer glatten Fälschung. Angeblich habe Konstantin die Päpste zu Erben und Rechtsnachfolgern des römischen Reiches gemacht. Obwohl schon sehr früh die Falschheit des Dokumentes bekannt war, hat die römische Kirche intensiv davon Gebrauch gemacht und Ansprüche durchgesetzt.

 
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Das neunte Jahrhundert

Das neunte Jahrhundert ist das Jahrhundert Karls des Großen. Er schafft ein einheitliches europaweites Reich und ist gleichzeitig Hüter der Kirche. Weihnachten 800 krönt ihn Papst Leo III. in Rom zum Kaiser. Spätestens jetzt kann man von einem „christlichen Abendland“ im heutigen Sinn sprechen, Militärischen Eroberungen Karls folgen - teils brutale - Zwangsmissionierungen (z.Beispiel: Sachsen). Dabei mischen sich bei Karl militärpolitische Überlegungen mit religiösen Überzeugungen. 814 stirbt Karl in Aachen.

Im Osten Europas haben inzwischen die Mönche Methodius und Cyrill ein Werk vollbracht, das hinter der Leistung des Bonitfatius nicht zurücktsteht. Sie entwickeln für die Slawen ein eigenes Alphabet, eine Liturgie und eine Bibel in eigener Sprache. Bei gleichzeitiger optimaler „Inkulturation“ binden auch sie ihr Werk konsequent an Rom und den Papst an. Um so verrückter, daß gerade dieses Jahrhundert als eines der schwärzesten in der katholischen Kirche gilt. Mit ihm beginnt das „saeculum obscurum“, das sogenannte „finstere Mittelalter“.

Rom findet sich nach Karl Tod alleingelassen und den Intrigen und Machtspielen regionaler Machthaber um Rom ausgeliefert Das Papsttum wird hineingerissen in den Sumpf von politischer Gewalt, machtlüsternen Intrigen, feigem Verrat und kalkuliertem Mord, von Ämterkauf und sexueller Ausschweifung. Betrug, Mord und Todschlag stehen fast auf der vatikanischen Tagesordnung. 44 Päpste besteigen den Papstthron allein zwischen 882 (Papst Johannes VIII) und 1049 (Papst Leo IX), ein Personalbedarf, der unter normalen Umständen für 500 Jahre und mehr gereicht hätte!

Aber wie so oft: Wo alles zu zerfallen scheint, sind die heilenden, die positiven Kräfte des Neuanfang nicht fern. Die cluniazensische Reformbewegung (benannt nach dem burgundischen Reformkloster Cluny) erneuert die Kirche nachhaltig und von innen heraus.

 
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Das zehnte Jahrhundert

Gleichzeitig kommen in Deutschland die „Ottonen“ an die Macht. Heinrich I. deutscher König von 919-936, Otto der Große, Kaiser seit 963 und mit Kaiser Konrad 1024 das Geschlecht der Salier. Sie schaffen neu ein starkes, geeintes deutsches Reich, das nun wieder in die Lage versetzt wird, ordnend in Rom einzugreifen.

In dieser Epoche wird die Kirche in Deutschland konsequent in die Herrschaftsstrukturen eingebunden. Die Könige geben Bischöfen Anteil an der Macht, machen sie zu Fürsten mit großem und weitreichenden Einfluß.

Da die Bischöfe ehe- und kinderlos sind und somit keinen familiären- oder Sippeninteressen unterliegen, erhoffen sich die Könige und später die Kaiser von ihnen besondere Treue, Verbundenheit und Verläßlichkeit.

Dafür beanspruchen sie entscheidende Mitspracherechte bei der Bischofsernennung. Dieses System, das im günstigen Fall durchaus zu beider Seiten Vorteil gelingen konnte, trug in sich den Keim des Mißbrauchs („Vetternwirtschaft“, „Ämterkauf“). Der Konflikt mit Rom war vorprogrammiert.

Zumal, wenn die Kaiser sich bei der Besetzung des Papststuhls einmischten. Das geschah oft genug sogar zum Besten der Kirche (Unterstützung von innerkirchlichen Reformbewegungen).

 
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