Das elfte Jahrhundert

Der Kampf darum, wer in der Kirche und im Reich das Sagen und das letzte Wort hat, ist als „Investiturstreit“ bekannt. Dieser Streit fand 1077 mit dem Bußgang nach Canossa einen Höhepunkt, aber noch lange nicht das Ende. Papst Gregor VII. schien zwar vordergründig „Sieger“ über König Heinrich IV. zu sein. Aber kurz danach entbrannte der Streit um so heftiger, gegenseitige Absetzungen, Bannsprüche, militärisch ausgefochtene Machtkämpfe zwischen der königlichen und der päpstlichen Partei bleiben an der Tagesordnung.

Denn so einfach lagen die Dinge nicht. Zu sehr waren Kirche und Königreich von dem Gedanken durchdrungen, daß es vor Gott nur eine Christenheit gebe, gleichsam ein Leib, an dem Papst und Kaiser lediglich der jeweils „andere“ Arm waren. Der Kampf zwischen beiden sollte sich noch bis zum Wormser Konkordat 1122 hinziehen.

 

Doch vielleicht weitreichender und folgenschwerer wurde die Auseinandersetzung des Papstes mit Byzanz. Der Patriarch von Konstantinopel fühlte sich im Kampf gegen die islamischen Sarazenen von Rom verraten und verkauft; er sammelt „Glaubensgründe“ gegen den Papst. Diese theologischen Streitigkeiten führen dann zum großen Schisma von 1054. Seither gibt es die Westkirche (römisch-katholisch) und die Ostkirchen (Orthodoxe). Zum ersten Mal in der Geschichte des Christentums kann man nicht einfach nur von „der Kirche“ sprechen.

 
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Das 12. Jahrhundert

Die kommenden Jahrhunderte haben ein neues Thema: Die Auseinandersetzung mit dem Islam und der arabischen Expansion.Längst hat der Islam Arabien, Nordafrika, Spanien erobert. Er ist bis Indien vorgedrungen. Israel, das Heilige Land ist bedroht .
1119 gründen französische Ritter zum Schutz der Pilger im Heiligen Land den „Templer-Orden“. In Spanien kann König Alfons I. von Arragon einen Teil Spaniens den Muslimen wieder entreißen Spanien tritt allmählich ins Rampenlicht der europäischen Machtpolitik.
Allerdings dauert es noch ca. 300 Jahre, bis unter dem Spanier Philipp II. ein Weltreich entstanden ist, in dem „die Sonne nicht untergeht“. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts beginnen die Kreuzzüge. Dem Zisterziensermönch Bernhard von Clairveaux gelingt es, in feurigen Predigten den deutschen und französischen König und die Ritterschaften Europas für den Kreuzzug zu begeistern.

Inzwischen ist es Kaiser Friedrich I. , der sich mit dem Papst herumschlägt- und am Ende unterliegt.
Er wird zweimal gebannt, sein Sohn wird hingerichtet. Das Ende der Stauffermacht drängt für lange Zeit Deutschland aus der europäischen Machtpolitik.

1187 wird Jerusalem von den Sarazenen erobert und das christliche Heer vernichtend durch Saladin geschlagen. Während die Päpste und bischöflichen Fürsten in der „Weltpolitik“ engagiert sind, finden sich an der Basis immer wieder Reformer, die den Kern des christlichen Glaubens entschieden leben. Einer, der bis heute den Geist der Kirche entscheidend mitprägte, ist der Bettelmönch Franziskus.
Auch heute sind es vor allem Mönche aus den franziskanisch geprägten Orden, die sich für soziale Gerechtigkeit auch politisch engagieren (Theologie der Befreiung). Neben den Reformbewegungen in der Kirche entstehen auch kirchenkritische und sozialrevolutionäre Bewegungen. Eine kirchliche und staatliche Interessengemeinschaft führt in Südfrankreich zu einem brutalen und grausamen Krieg gegen die Albigenser. Ein Massaker im Namen des rechten Glaubens.

Nachdem Jerusalem von Kreuzfahrern in einer blutigen Schlacht zwischenzeitlich zurückerobert werden konnte, geht Jerusalem 1244 der Christenheit endgültig verloren. Rund 50 Jahre später ist das gesamte Kreuzzugsunternehmen gescheitert: Mit dem Fall der Burg der Hafenstadt Akko 1291 werden die letzten Kreuzritter vertrieben.

 
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Das 13. Jahrhundert

Es ist das Jahrhundert der Hochscholastik. In ihm leben und sterben so große Theologen wie Thomas von Aquin (+1274), Bonaventura (+1274), der „doctor universalis“ Albertus Magnus (+1280), Hochschullehrer in Köln und Paris, Alexander von Hales, Johannes Dunscotus.
Es ist aber auch das Jahrhundert aufgewühlter religiöser Erneuerung, apokalyptischer Ängste, schwärmerischer und sozialer Bewegungen. Es ist das Jahrhundert eines Franziskus, aber auch das der Geißlerbewegungund der Albigenserkriege. Die Geißler (lat. Flaggelanten), zogen singend und betend durch das Land, geißelten sich zur Buße die nackten Oberkörper, um so -schwärmerisch verzückt- am Leiden Jesu teilzuhaben und die Welt zu erlösen. Fanatisierte Kinder rotten sich zusammen und ziehen gen Jerusalem (Kinderkreuzzug) und gehen unterwegs elend zugrunde. Der nach Joachim von Fiore genannte Joachimismus (Warten auf den Weltuntergang) findet rund 50 Jahre nach dem Tod Joachims in dieser Zeit seinen Höhepunkt.

Wie verunsichert die offizielle Kirche auf diese Aufbrüche reagiert, zeigt das Verbot von Ordensgründungen. 1215 und 1231 wird die Inquisition gegründet, in ihren schlimmen Auswirkungen eine Art "kirchliche Gesinnungspolizei".

In der gleichen Zeit leben und dichten in Deutschland Walter von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg. In Italien entstehen die ersten Werke Dantes. Im Kloster Helfta lebt eine große Mystikerin: Die heilige Mechthild.

 
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Das 14. Jahrhundert

Das vierzehnte Jahrundert steht für das Aufkommen der Renaissance und dem gleichzeitigen Verfall der Papsttums. Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Kirche. Anfang des Jahrhunderts bereits geraten die Päpste unter den Einfluß Frankreichs und müssen nach Avignon umsiedeln (1309) und bleiben dort bis 1377. Papst Gregort XI kehrt nach Rom zurück. Ein Jahr später setzt Frankreich einen Gegenpapst durch. Das abendländische Schisma ist da und dauert bis 1415. Der Wunsch nach kirchlicher Erneuerung und religiöser Vertiefung bewegt dagegen die Basis. Bußprediger wie Vinzenz Ferrer und Bußwallfahrten finden breiten Anklang.

Unter dem französischen Druck löst der Papst 1312 den Templerorden auf, das Vermögen fällt an den französichen König. In Frankreich wachsen auch innerkirchliche, theologische Bestrebungen, die zentrale Rolle Roms infrage zu stellen: die Ideen des Konziliarismus (ein Konzil ist die oberste Autorität der Kirche und dem Papst übergeordnet)
und Gallikanismus (die Forderung nationaler Staatskirchen) werden die kommenden Jahre Kirche, Theologie und Staat beschäftigen und bis ins 19. Jahrhundert hineinwirken.

Die Schwäche des Papsttums und seine Abhängigkeit von französischen Interessen führt umgekehrt dazu, daß sich die deutschen Fürsten und Könige von Rom und päpstlichen Machtansprüchen emanzipieren.
Mit Ludwig wird 1328 zum ersten Mal ein Kaiser in Abwesenheit eines Papstes gekrönt. 1338 regelt der Rhenser Kurverein und 1356 die Goldene Bulle das Wahlrecht neu: Sieben Kurfürsten wählen den deutschen König; eine päpstliche Bestätigung ist dazu nicht mehr erforderlich.

In diesem Jahrhundert beginnen die -vorher so nicht erahnten- die Kontaktes des Abendlandes mit dem Morgenland in den Kreuzzügen Früchte zu tragen: Die abendländische Kultur lernt arabische Wissenschaften kennen, über sie findet sie wieder Kontakt zu verloren gegangenen antiken, hellenistischen Quellen. Das führt zu einer Wiedergeburt (Renaissance) antiken Denkens. Der klassisch-schöne, göttliche Mensch wird Leitbild der Epoche. Diese Ausgangslage führt zu einer fast explosionsartigen Entwicklung von Kunst, Erforschung, Entdeckung und Bildung. 1348 wird die Universität Prag gegründet, 1365 folgen Wien, 1386 Heidelberg, 1388 Köln, 1392 Erfurt

 
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Das 15. Jahrhundert

Dieses Jahrhundert bringt den Höhepunkt der Renaissance. Das zeigen so berühmte Namen wie: Erasmus von Rotterdam, Theologe und humanistischer Philosoph; die Maler Michelangelo, Leonardo da Vinci und Raffael; der Theologe Nikolaus von Cues, der Mystiker Thomas von Kempen. Gutenberg entdeckt den Buchdruck (1445), Kolumbus entdeckt Amerika (1492).

Gleichzeitig aber wütet in Spanien aufs Grausamste die Inquisition gegen Mauren, Juden, Katharer und Waldenser. 1483 wird Luther geboren, 1484 Zwingli. Die Päpste in Rom zeichnen sich eher durch Kunstverstand und Bauwut aus als durch theologische oder religiöse Kompetenz.

 
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Das 16. Jahrhundert

Das 16. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Reformation.

Vieles trägt zu dieser Entwicklung bei: Da ist einmal das veränderte geistige Klima der Epoche, das gewachsene Selbstbewußtsein (Humanismus) der Menschen, ihr Anspruch auf Selbstverantwortung (beginnender Individualismus), der die am Subjekt und an moralischer Eigenverantwortung orientierte reformatorische Frömmigkeit mehr entsprach als die eher an Gemeinschaft und Gehorsam orientierte katholische Mentalität.
Dem hatte ein degenerierte Kirche - zumal in Rom - wenig entgegenzusetzen. In den entscheidenden Jahren sitzt ein Medici auf dem Papstthron, dem Glaube, Theologie und Kirche weniger bedeuten als Kunst, prachtvolle Hofhaltung und Machtpolitik.

Der Buchdruck und die damit gegebene Publizität der Gedanken spielt eine wichtige Rolle und macht die Reformation zu einer Massenbewegung. Die Übersetzung der Bibel durch Martin Luther ins Deutsche erlaubt den Gläubigen einen eigenen Einblick in die Quellen des Glaubens und macht sie damit kritischer und unabhängiger.

Sicherlich kam die Reformation mit ihrer antirömischen und faktisch auch antikaiserlichen Dynamik den Unabhängigkeitswünschen der Fürsten entgegen. Zumal der Habsburger Kaiser mit vier Kriegen (1521, 1527, 1536, 1442) gegen Franz I., König von Frankreich, hinreichend beschäftigt war. Außerdem stehen die Türken vor Wien. (1529)
Als Rom dem englischen König Heinrich VIII. die Scheidung von seiner spanischen Frau und eine Heirat mit Anna Boleyn verbietet (1533), macht ihn die Suprematsakte (1534) zum Oberhaupt einer unabhängigen englischen Staatskirche. 1588 vernichtet seine kleine, aber wendige Flotte die Armada, die berühmte Großflotte Spaniens.

Nach den Auseinandersetzungen mit Rom in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts folgt in der zweiten eine Konsolidierung der Reformation zugleich auch ihre Ausdifferenzierung (Calvinisten, Zwinglianer), gleichzeitig besinnt sich endlich auch die katholische Kirche und beginnt ihre Selbstreform mit dem Konzil zu Trient 1545-1563. Papst Pius IV. stützt und fördert die theologische und pastorale Erneuerung der Kirche.

Diese innere Reform wird bald zu einer „Gegenreformation“, dem Versuch - kirchlich und machtpolitisch das an die reformatorischen Kirchen verlorene Terrain zurückzuerobern. Innerkirchlich sind es vor allem die Jesuiten (in Deutschland Petrus Canisius und sein Katechismus), auf der politischen und militärischen Seite sind es die spanischen Kaiser.

 
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Das 17. Jahrhundert

Für viele Menschen in ganz Europa bringt dieses Jahrhundert Elend und Leid, Verfolgung und Unterdrückung. Europa ordnet sich religiös-kirchlich und machtpolitisch neu. 30 Jahre, von 1618-1648 tobt auf deutschem Boden ein Krieg zwischen protestantischen Mächten, angeführt von dem schwedischen König Gustav Adolf und den katholischen Mächten, angeführt von den spanischen Kaisern. Viele fliehen vor der religiösen Unterdrückung und dem wirtschaftlichen und sozialen Elend nach Amerika und suchen dort eine neue, friedvollere und freiere Heimat.
Aber im gleichen Jahr, da die Pilgerväter in Amerika den Staat Massachusetts gründen, werden in Virginia die ersten Negersklaven importiert.

Wiederum einige tausend Meilen südlich gründen Jesuiten 1608 einen unabhängigen „Indianerstaat“, den Jesuitenstaat von Paraguay mit dem Ziel, die Unabhängigkeit und Freiheit der Indianer zu sichern, sie zu bilden und wirtschaftlich unabhängig zu machen und sie vor allem vor kolonialistischen Zugriffen zu schützen.
1648 wird Oliver Cromwell in England Gewaltherrscher; 1660 versuchen die katholischen Stewarts eine Restauration auch in England; in der glorreichen Revolution 1688 werden die Stewarts vertrieben und die englische Hochkirche als alleinige Kirche wiederhergestellt.

Aber dieses Jahrundert kennt auch andere Namen: Die Maler Peter Paul Rubens z.B. und Rembrand, die Philosophen Descartes und Baruch Spinoza oder John Locke, Thomas Hobbes, in Frankreich Plaise Pascal, in Italien der Naturwissenschaftler Galileo Galilei. In Frankreich lebt und wirkt Vinzenz von Paul, der sich für Arme und Kranke einsetzt.

 
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Das 18. Jahrhundert

Die Jahre dieses Jahrhunderts bringen Europa endlich wieder eine gewisse Ruhe; mehr noch: es erhebt sich aus den Ruinen zu neue Größe und Blüte. Es ist die Zeit des Barock (Johann Sebastian Bach (+1750), Versaille und Ludwig XIV. (+1715); es ist die Zeit der Aufklärung und der deutschen Klassik: Goethe, Schiller, Lessing, Klopstock, Kant, Herder, Voltaire, Leibniz, David Hume ...
Aber Frieden kennt auch dieses Jahrhundert nicht: Österreich und Preußen (Siebenjähriger Krieg 1756-1763),
die spanischen Erbfolgekriege (1701-14), England und Frankreich kämpfen in den amerikanischen Kolonien gegeneinander, Polen wird geteilt und schließlich, am Ende dieses Jahrunderts: die große französische Revolution.

Nur unter Wehen kommt die Neuzeit zur Welt! Und aufs Ganze gesehen, gehört die katholische Kirche noch zur alten Welt! Sie tut sich schwer mit dem neuen Denken, mit protestantischer Freiheit und Selbstbewußtsein. Mit aller ihr noch verbliebenen Macht kämpft sie gegen erneute Bestrebungen, Nationalkirchen unabhängig von Rom zu errichten (Emser Punktation 1786; Febronianismus); auf Druck Portugals und Spaniens, die den Jesuitenorden bereits aus ihren Ländern vertrieben hatten, muß der Papst schließlich 1773 diesen Orden aufheben. Wegen ihres Einflusses und wegen ihrer antikolonialistischen Indianerpolitik waren sie diesen Mächten obsolet geworden. Aber in der französischen Revolution 1789 entladen sich all jene Spannungen ähnlich dem Erdbeben von Lissabon, das 1755 die Stadt dem Erdboden gleichmachte.

 
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Das 19. Jahrhundert.

Die Revolution hat erst Frankreich, dann durch Napoleons Kriege ganz Europa grundlegend verändert. Europa wird neu geordnet. Zunächst befreit man sich von Napoleon; auf dem Wiener Kongress stecken die Großmächte ihre Claims neu ab. Die deutschen Länder bewegen sich aufeinander zu (Zollverein, Deutscher Bund), versuchen sich in Demokratie (Burschenschaft, Pauls- kirche). Das deutsche Bürgertum konsolidiert sich, sehnt sich nach Geborgenheit und privater Ruhe (Biedermeier); die Romantik sucht nach neuen Idealen. Goethes Faust entsteht, Beethoven lebt in Wien. Auch die katholische Kirche versucht Boden unter die Füße zu bekommen. Der Kirchenstaat war bereits 1809 aufgehoben, der Papst gefangengesetzt worden. In Deutschland ist die Kirche enteignet worden. Doch bereits 1848 erhält der Kirchenstaat eine neue Verfassung und der Papst kehrt zurück.

Der äußeren Machtgrundlagen beraubt, sucht die katholische Kirche Halt und Sicherheit „innen“. Einmal in der Betonung des Papsttums und des Zentrums Rom (Ultramontanismus, Wiedereinführung der Inquisition, Einführung des Index, Wiederzulassung der Jesuiten). Zum anderen aber auch in einer pastoralen, religiösen Erneuerung vor allem auch in Deutschland. Das zeigte sich nicht zuletzt auch in ihrer Sensibilität für die soziale Frage (Aufbau eines katholischen Vereinswesens, Aufbau des Laienkatholizismus, Einführung von Katholikentagen; der für soziale Gerechtigkeit kämpfende Bischof Kettler, der „Gesellenvater“ Adolph Kolping).

Anders Rom: Von einer Sensibilität für die Moderne keine Spur: Statt dessen Abwehr, Verteidigung und Verfestigung. Während das geistige Leben von Denkern wie Marx, Feuerbach, Kierkegard, Comte, Hartmann und Nietzsche bestimmt wird, wird seit 1870 im katholischen Bildungsbereich ausschließlich neuscholastisch gedacht und gelehrt.

Der Papst stellt die Irrtümer der Moderne zusammen (Syllabus) und verurteilt sie. Kirchliche Amtsträger müssen darauf schwören (Antimodernisteneid 1910). Die Betonung der päpstlichen Macht führte 1871 zur Unfehlbarkeitserklärung des I. Vatikanischen Konzils; sie stellt die Kirche in Deutschland vor eine Zerreißprobe und führt zur Abspaltung der Altkatholischen Kirche.

Auch gegenüber dem Staat muß das Verhältnis neu geordnet werden. Konkordate werden geschlossen mit den katholischen Ländern Österreich, Spanien, Bayern; mit dem protestantischen Preußen muß erst ein „Kulturkampf“ ausgefochten werden.

 
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Das 20. Jahrhundert

Es sind keine kirchlichen Themen, die das 20. Jahrhundert bestimmen, sondern die russische Revolution und deren Folgen, zwei große Weltkriege, der Holocaust, die Atombomben auf Japan und schließlich der Zusammenbruch des Kommunismus oder auch die Landung des ersten Menschen auf dem Mond. Dennoch gelingt der katholischen Kirche im zwanzigsten Jahrhundert mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Anschluß an die Neuzeit. Hatte am beginn dieses Jahrunderts noch der Antimodernisteneid gestanden,so wünscht Papst Johannes XXIII nun ein Aggiornamento, eine Anpassung. Das neue Konzil sollte inhaltlich das Erste Vaticanum ergänzen und die Kirche der Neuzeit öffnen: Katholische Kirche, das ist nicht nur der Papst, sondern die Gesamtheit aller Bischöfe weltweit; das ist nicht nur der geweihte Klerus, sondern alle Getauften. Entsprechend stärkten die Dokumente dieses Konzils die kollegialen Strukturen und die Rechte und Mitverantwortung des „ganzen Volkes Gottes“.
Das Konzil öffnet sich dem demokratischen Denken und synodalen Strukturen, es bejaht die Ökumene, bestimmt ihr eigenes Verhältnis gegenüber den anderen Weltreligionen neu. Das Konzil mit seinen Hunderten von Bischöfen aus allen Ländern der Welt deutet aber auch das Ende des Eurozentrismus an. Schon lange ist Europa nicht mehr der statistische Mittelpunkt der Kirche. Mehr und mehr wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch der Schwerpunkt der theologischen Forschung und der Spiritualität in die jungen Kirchen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas verlagern. Was das für die katholischen Kirchen Europas bedeutet, in welche Richtung sich auch inhaltliche und politische Schwerpunkte der Kirche verlagern ist noch nicht abzusehen.

Das zwanzigste Jahrhundert bringt mit dem Polen Karol Woityla den ersten Nichtitaliener seit 500 Jahren auf den Papstthron.Als seine Nachfolger sind Bischöfe aus Schwarzafrika, aus Südamerika, den Philippinen wahrscheinlich.

 

 

 
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